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Alois Wolf (1775-1819).

Die Musiklexikographie verzeichnet nirgends diesen Namen. Nur Wurzbach bringt eine kurze Lebensbeschreibung Wolfs und bezeichnet als Quelle eine Handschrift in der Sonnleithner'schen Sammlung von Biographien, welche das Archiv der k. k. Gesellschaft der Musikfreunde in Wien verwahrt. Nach dieser ist Wolf im Jahre 1772 zu Wien geboren. Die durch das hiesige fürsterzbischöfliche Ordinariat erhobene Umfrage bei den Wiener Pfarrämtern ergab als Geburtsdatum Wolfs den 7. Jänner 1775, was sich durch den von der Pfarre St. Stephan eingeholten legalen Matrikenschein bestätigt erwies. In der Taufe erhielt Wolf die Namen Alois, Joseph, Anton, Balthasar; er schrieb sich später nur als Louis W. Sein Vater Joseph W. [1] wird im Taufakte als k. k. Ministerial-Banco-Deputations-Hofbuchhalterey-Raitrath bezeichnet. Alois, welcher später der gleichen Beamtenlaufbahn in der Banco-Hofbuchhandlung zugeführt wurde, brachte es bis zum Range eines Rechnungsoffizials. Schon in seiner frühesten Jugend betätigte er seinen Hang zur Musik und war bereits als trefflicher Violinspieler bekannt, als er sich um 1790 dem Gitarrespiel zuwandte, das damals "als Kunst noch ganz in der Wiege lag". Auch als junger Beamter widmete er seine Muße der Gitarre und brachte es in zehnjähriger, beharrlicher Übung dahin, daß er "dieses beschränkte Instrument zum konzertierenden umschuf". Wie aus der handschriftlichen Biographie hervorzugehen scheint, fällt schon um diese Zeit, also bald nach 1800 sein erstes öffentliches Auftreten, bei welchem er nach Art anderer Instrumentalvirtuosen die Gitarre mit Begleitung des Orchesters spielte. Die Leipz. allg. mus. Ztg. bespricht ein Konzert im Jahn'schen Saale, am 16. Dezember 1804:

"Ein Hr. Wolf... spielte ein Konzert auf der Guitarre mit ungemeiner Leichtigkeit, Geschwindigkeit, und einem recht angenehmen Vortrage; überhaupt weiß er sein Instrument recht gut zu behandeln. Seine Frau trug ein Mozart'sches Klavierkonzert aus d-moll mit Fleiß und Geschicklichkeit vor, aber unsern vorzüglichsten Klavierspielerinnen, einer Kurzböck, Hohenadl, Spielmann und anderen steht sie bey weitem nach."

Die in vorstehendem Berichte besprochene Gattin Wolfs war die ehemalige Pianistin Anna Mrasek, Tochter des bürgerl. Schneidermeisters Johann Mrasek, wohnhaft in der unteren Breunerstraße Nr. 1196 (heute Bräunerstr. Nr. 10); sie gab bereits 1801 im Vereine mit Wolf, wie die Leipz. allg. mus. Ztg. anzeigt, "Arien mit Begleitung der Guitarre" heraus und betätigte sich auch nach ihrer Verehelichung mit Wolf gemeinsam mit diesem schaffend und ausübend. Der Trauungsschein ist vom 18. Nov. 1802 datiert; die Ehe wurde in der Pfarre zu St. Michael eingesegnet. Wolf bekleidete zur Zeit den Rang eines k. k. Banco-Hofbuchhandlungs-Ingrossisten und wohnte in der Kumpfgasse Nr. 875 (dem jetzigen Hause Nr. 3 der Kumpfgasse). Infolge ihrer Konzerttätigkeit hatten Wolf und seine Gattin reichlichen Schülerzuspruch, doch währte ihre Ehegemeinschaft nur sechs Jahre; 1808 starb Wolfs Gattin. [2] In den nächsten Jahren war Wolf, wie die musikalischen Anzeigeblätter melden, eifrig kompositorisch tätig. Der XII. Jahrg. der Leipz. allg. mus. Ztg. (Seite 476) berichtet über das anscheinend letzte Konzert Wolfs in Wien. Um diese Zeit war bereits Giuliani Gegenstand enthusiastischer Bewunderung und das Wiener gitarristische Publikum arg verwöhnt. Wolf gedachte solcher Rivalität etwas außerordentliches entgegenzusetzten und spielte das erwähnte Konzert auf der Doppelgitarre, [3] "erlangte aber nicht den Beifall, den er sich versprach". Zwei Jahre später gab er seine Beamtenlaufbahn, in welcher er es bis zum Rechnungsoffizial gebracht hatte, auf, verließ Wien und wandte sich nach Klausenburg in Siebenbürgen. Von dort unternahm er, wie die handschriftliche Biographie mitteilt, noch einige Kunstreisen und ließ sich im Jahre 1817 zu Jassy im Moldauischen nieder, wo nach damaligen Berichten [4] das Gitarrespiel sehr im Schwange war und Wolfs virtuoses Können uneingeschränkt zur Geltung kam; er starb dortselbst nach zweijährigem Aufenthalte im Jahre 1819 noch "im kräftigen Mannesalter und zu früh für die musikalische Welt".

Die biographische Handschrift zählt von Wolf 25 Werke auf, zumeist für zwei Gitarren oder für Pianoforte und Gitarre geschrieben. Die größere Anzahl wurde in Wien (bei Steiner und bei Cappi) verlegt, einige sind handschriftlich im Original erhalten. Die gedruckten Werke sind fast durchgängig verschollen, die wenigen vorhandenen Exemplare vergilben unbenützt in Archiven.

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[1] Das Taufprotokoll schreibt Wolff, der Trauschein Wolf.

[2] In der schon erwähnten Biographiensammlung im Archiv der Wiener Musikfreunde erliegt auch eine kurze handschriftliche Mitteilung über die Pianistin Anna Mrasek, geb. zu Wien am 15. November 1774, mit A. Wolf verehelicht, gestorben am 2. Juni 1808.

[3] Die Doppelgitarre stößt nirgends in der alten Fachliteratur auf und ist auch der neudeutschen Gitarristik unbekannt. Der Beschreibung nach könnte es ein Instrument für moderne Varietézwecke sein. "Diese Guitarre hat einen merklich größeren Umfang der Töne, einen zweyfachen Hals und doppelte Besaitung; das heißt: mit der großen Guitarre ist eine kleinere verbunden und beyde, Mutter und Tochter, haben die gewöhnliche Besaitung, nur ist letztere um eine Oktave höher gestimmt, doch, versteht sich, kann auf Beyden zulgleich nie gespielt werden."

[4] Die Leipz. allg. mus. Ztg. schreibt im XIII. Jahrg. (1819), Seite 523: "Klavier wird fast in allen mittleren Häusern gelehrt; auch die Guitarre wird gespielt, weniger die Harfe. Man hört bisweilen die schönsten Sonaten auf dem einen oder auf dem andern Instrumente von moldauischen Frauen ausführen. Freylich findet sich diese Fertigkeit nicht unter dem gemeinen Volke; die Musiklehrer sind immer Ausländer..." oder an gleicher Stelle, Seite 524: "... und eine Art Guitarre. Die letztere ist unter dem Volke allgemein und wird bisweilen mit der Stimme begleitet, doch ohne eigentliche Musikkenntnis."


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