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3. Ornamentik.

a) Vorschlag.

Im Gegensatze zu der in kunstvoller technischer Figuration gezierten Schreibweise der Virtuosenzeit befleißigt sich Molitor einer Schlichtheit, welche die Ornamentik wenig begünstigt. Am häufigsten ist bei Molitor der Vorschlag anzutreffen, welcher in verschiedener Art notiert ist. Für diese mannigfaltige Schreibweise des Vorschlages erübrigt sich eine kritische Betrachtung, da sowohl die im Drucke erschienenen, als auch die handschriftlich erhaltenen Werke Molitors den Vorschlag ganz willkürlich bezeichnen. Es finden sich vollkommen gleichartige Vorschläge bald als Achtel-, bald als Sechzehntel-, sogar als Zweiunddreißigstel-Noten geschrieben, man findet sie mit und ohne Bindebogen, mit und ohne Querstrich durch die Fahne. Die Willkür der Orthographie ist besonders bei Stellen deutlich, die wörtlich in ausgeschriebener Wiederholung wiederkehren und deren Vorschläge trotzdem in der Notierungsart abweichen. [1] Bemerkt sei, daß Molitors Vorschläge zum überwiegenden Teile nicht Vorhaltsbedeutung haben, sondern melodische Ziernoten sind.

Über den Rhythmus der Ausführung ist als leitender Gesichtspunkt festzustellen:

Bei der Gitarre ist es nicht wie bei Klavierinstrumenten dem Belieben des Ausführenden anheimgestellt, ob die Vorschläge nach alter Weise auf den betreffenden Taktteil selbst, oder nach neuer Art vor dem Taktteile angeschlagen werden. In einzelnen Fällen zwingt die Technik des Gitarrespieles zur Ausführung im älteren Sinne, auch wenn feststehen sollte, daß die Praxis des Vorschlages im allgemeinen in der modernen Weise ausgeübt wurde. Der spieltechnische Zwang zur älteren Ausführung besteht immer dann, wenn der Vorschlag zu einem Tone, welcher Bestandteil eines Akkordes ist, gehört, also nicht zu einer einzeln dastehenden Note. Im ersteren Falle ist es unmöglich, die Vorschlagsnote vorher zu bringen; im zweiten Falle besteht keine derartige Notwendigkeit, sondern es hat die Praxis der Entstehungszeit des Werkes zu entscheiden. Der Vorschlag nach alter Weise ist also aus technischen Gründen in folgendem Beispiele auszuführen:

[Alter Vorschlag]

während die nachfolgenden Vorschläge, wie dies auch in der zeitgenössischen Klaviermusik der Fall ist, vor der Hauptnote zu nehmen sind.

[Neuer Vorschlag]

Für die Vorschlagsausführung gelten beim Gitarrespiel die Gesetze der Bindungstechnik: Einfallen, Abziehen, Schleifen.

b) Doppelschlag.

Verzierungen anderer Art, welche sich bei Molitor spärlich finden, sind in Noten ausgeschrieben, so der Doppelschlag und der Triller. Ein Doppelschlag [2] kommt in op. 10, 21. Takt des Adagio vor:

[Op. 10, Takt 21]

Die Ausführung ist durch die Bogenbezeichnung gegeben: Abziehen und Einfallen.

c) Triller.

Der Triller, von dem die alte Gitarre- und Lautenmusik in verschiedenen Varianten ausgiebig Gebrauch macht, stößt in Molitors Werken ein einzigesmal auf. Molitor erkannte sehr wohl, daß der gitarristischen Technik derartige, heikel auszuführende Verzierungen nicht liegen. Op. 7 bringt indes im 98. Takte des langsamen Satzes als Abschluß einer melodischen Kadenz das Schulbeispiel eines auf zwei Saiten ausgeführten Trillers mit einem vorbereitenden langsamen Ansatze, bestehend aus einer Umspielung der Hauptnote mit der großen Ober- und kleinen Untersekunde und einer Endverzierung am Schlusse des Trilers.

[Op. 7, Takt 98]

Als Ausführungsarten kämen für den Triller folgende in Betracht: Zerlegen des Trillers in eine Vorschlagskette mit Anschlägen auf den Hauptnoten und Bindungen zu den Obersekunden, oder Anschlag der ersten Hauptnote und Erzeugen sämtlicher Folgenoten durch stetiges Einfallen und Abziehen; beide Spielmanieren vollführen den Triller auf einer Saite: Molitor bevorzugt jedoch die Ausführung auf zwei Saiten; er sagt hierüber in der diesbezüglichen Anmerkung:

"Es wäre zu wünschen, daß man von der bisher gepflogenen Methode des Trillers auf einer Saite ganz abgehe, und dafür denselben auf zwei Saiten gleichwie auf der Harfe annähme, wodurch derselbe nicht nur lange anhaltend, sondern auch ungleich reiner und stärker hervorgebracht werden kann."

Diese Anweisung ist durch das Notenbeispiel mit genauer Fingersatzangabe für Greifhand und Wechselschlagmöglichkeiten vervollständigt.

[Fingersatz Triller]

Auf die daraus ersichtliche, ausnahmsweise erschöpfend behandelte Wechselschlagtechnik wurde schon hingewiesen.

d) Melodische Kadenzen.

Als melodischen Beiwerkes wäre noch der freirhythmischen Kadenzen zu gedenken, die bei Molitor in einigen wenigen Fällen nach einem vollgriffigen, arpeggierten Akkorde am Schlusse einer Phrase oder eines Satzes stehen und in der Regel Akkordzerlegungen sind.

[Melodische Kadenz]

Hingegen finden sich Flageolettöne, deren sich die gekünstelte Schreibart der Giulianizeit mit Vorliebe bedient, bei Molitor nirgends. [3]

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[1] Ein ähnliches gilt für die zeitgenössischen Gitarristen: de Call verwendet beispielsweise in seiner handschriftlichen Komposition "12 Ländler" wahllos [Achtel] und [Sechzehntel] mit und ohne Bindebogen; die Notenstecher halten es ebenso.

[2] Matiegka bezeichnet ihn mit [Doppelschlag]

[3] Matiegka gebraucht sie allerdings in der Grande Sonate op. I, 1. Satz.


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