In Legnanis gitarristischer Wirksamkeit findet die Virtuosenepoche Vollendung und Abschluß. Obwohl nicht in Wien seßhaft, hat L. in zweifacher Hinsicht für die Wiener Gitarristik hervorragende Bedeutung: In einer Reihe von Konzerten vermittelte er der Fachwelt die spieltechnischen Fähigkeiten bis an die äußerste Grenze des Erreichbaren, ferner wirkte er hinsichtlich der Verbesserung des Gitarrebaues bahnbrechend und begründete hierdurch den Weltruf der Wiener Meistergitarren. [1]
Um 1790 zu Mailand [2] geboren, kam L. als gewandter Sänger und Meister seines Instrumentes 1819 das erstemal nach Wien und gab zwei Konzerte mit rauschendem Beifall. Im Winter 1822 spielte er unter geringerem Zuspruche dreimal in Wien; bei diesen Konzerten führte er ein Capriccio "einzig und allein mit dem linken Zeigefinger aus, und dieser arbeitete so viel, als sonst gewöhnlich die ganze Hand; sogar ein Triller kam vor, was wirklich sehenswert war..." [3] "Es ist wohl kaum denkbar", sagt der Bericht weiter, "mehr auf diesem beschränkten Instrumente zu leisten... und keiner seiner Nebenbuhler, selbst Giuliani nicht ausgenommen, kann mit ihm in die Schranken treten. Man traut seinen eigenen Augen und Ohren nicht, daß ein einzelner Mensch so vollstimmige Sätze hervorzuzaubern im Stande sey; die Ouverture klingt, als ob ein ganzes Orchester von Guitarren sie vortrüge..." Vom nächsten Jahre (1823) an blieb er nach zwei Konzerten im Kärntnertortheater Wien für längere Zeit fern und bereiste Deutschland und die Schweiz. 1839 debütierte er, nachdem er kurz vorher mit dem Wiener Gitarristen Stoll in München gespielt hatte, zum letztenmal in Wien. [4]
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[1] Der Wiener Geigen- und Gitarrenmacher Johann Georg Staufer (1778-1853) und dessen Sohn Johann Anton (1805-1843) arbeiteten "nach dem Modell des Luigi Legnani". L. beschloß angeblich sein Leben als Gitarrefabrikant in seiner Heimat.
[2] Nach dem Allg. mus. Anzeiger, X. Jahrg., pag. 79, stammt L. aus Ferara.
[3] Diese technische Kunststückchen suchte später K. v. Gärtner nachzuahmen.
[4] Über seine Konzerte berichten: Die Leipz. allg. mus. Ztg.: XXI. Jahrg., pag. 557, XXIV. Jahrg., pag. 796, 797 u. 845, XXV. Jahrg., pag. 53 u. 124, XXVIII. Jahrg., pag. 94, XL. Jahrg., pag. 351, XLI. Jahrg., pag. 519; ferner der Allg. mus. Anzeiger: IX. Jahrg., pag. 120, X. Jahrg., pag. 79 u. 83, XII. Jahrg., pag. 50 u. 72.