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Anton Diabelli (1781-1858).

Die biographischen Angaben der Musiklexika über Diabelli weisen auf zwei Originalquellen zurück. Die ältere fußt auf einer autobiographischen Skizze Diabellis und ist im Salzburger Lexikon des Benedikt Pillwein enthalten (Seite 22/23), die zweite stammt aus der österreichischen Nationalenzyklopädie von Gräffer und Csikann (Bd. I, Seite 705). Beide Quellen behandeln den Zeitgenossen Diabelli; da das Salzburger Lexikon 1821, die Nationalenzyklopädie 1835 erschien, Diabelli aber erst 1858 starb, bedürfen beide der Ergänzung. Die im allgemeinen übereinstimmenden Nachrichten gingen mit unwesentlichen Änderungen in die Musiklexika über. Gerber enthält über Diabelli noch keine Mitteilung, Eitner, der sich mit dem Jahre 1780 als Geburtsjahr für biographische Daten ein Ziel gesteckt hat, bezog den fruchtbaren Komponisten in sein Quellenlexikon nicht mehr ein.

Anton Diabelli wurde am 5. September 1781 zu Mattsee bei Salzburg geboren. Seinen Vater Nikolaus, aus Aurolz-Münster gebürtig, nennt der am 6. September ausgestellte Taufschein "Musiker hier" - Pillwein bezeichnet ihn als Stiftsmusiker [1] und Meßner - seine Mutter Regina, geborene Moser, entstammt einer Musikerfamilie aus Uttendorf. Die Trauung beider fand am 23. Oktober 1780 in der Pfarrkirche zum heiligen Laurentius [2] statt.

Wurzbach registriert überdies ohne nähere Quellenbezeichnung als Geburtsdatum den 6. September 1782; Pillwein ist der einzige, der richtig den 5. September 1781 verzeichnet. Die Angabe des 6. statt 5. September dürfte auf eine Verwechslung des Geburtsdatums mit dem Tauftag zurückzuführen sein.

Die sonstigen Angaben der beiden Urquellen sind im großen und ganzen übereinstimmend. Hiernach erhielt Anton den ersten Unterricht in der Musik von seinem Vater, kam mit 7 Jahren als Sängerknabe in das Kloster Michaelbeuern und von da 1790 in das Kapellhaus zu Salzburg. 15 Jahre alt, trat er, von seinen Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, in das Zisterzienserstift Raitenhaßlach [3] ein und bildete sich auch in der Musik weiter aus. Michael Haydn, welcher mit Diabelli schriftlichen Verkehr pflegte und dessen Kompositionsversuche begutachtete, empfahl ihn, als die bayerischen Klöster säkularisiert wurden, an seinen Bruder Joseph Haydn nach Wien.

Im August 1802 - nach anderen Angaben erst 1803 - traf Diabelli in Wien ein, wo er in der Folge den belehrenden Umgang Haydns und anderer hervorragender Tonkünstler genoß und brachte sich durch Erteilen von Lektionen für Klavier und Gitarre auskömmlich durch. Bald nach Giulianis Ankunft in Wien machte er sich mit diesem bekannt. Hierüber äußert sich Ph. J. Bone: [4] Beide Künstler schlossen einen innigen Freundschaftsbund. Giuliani hatte damals schon einen Weltruf als Gitarrevirtuos; im Talente überragte er Diabelli, doch war dieser bei seinen ausgezeichneten theoretischen Musikkenntnissen auch ein vorzüglicher Klavierspieler. Die beiden Künstler machten sich daher bald ans Komponieren und trugen ihre Gitarre- und Klavierkompositionen auch bei öffentlichen Gelegenheiten vor. [5]

Seit 1818 betrieb Diabelli mit Peter Cappi unter der Firma eines öffentlichen Gesellschafters (Cappi & Co.), ab 1824 selbständig (Diabelli & Co.), eine Musikalienhandlung, verband sich später mit Anton Spina, der sich gleichfalls gitarristisch betätigte; dieser kaufte 1852 das Geschäft. [6] Diabellis Geschäftstätigkeit brachte ihn in Beziehung zu Wiener Tonkünstlern; er war der Hauptverleger Schuberts; Czerny, Strauß und Lanner standen mit ihm in reger geschäftlicher Verbindung. Beethoven komponierte zu einem Thema Diabellis für die Sammlung "Vaterländischer Künstlerverein", op. 120, eine Anzahl Variationen. [7]

Diabelli starb, wie das Totenprotokoll angibt, als Witwer im Hause Nr. 500 auf der Landstraße (das jetzige Haus "Am Heumarkt" Nr. 9 - Beatrixgasse Nr. 28) am 28. April 1858, 76 Jahre alt an Herzlähmung. Sein Geburtshaus in Mattsee, des gegenwärtig als Nr. 13 den Stiftsmeßner und zwei Privatparteien beherbergt, trägt eine Gedenktafel mit den Worten: "Geburtshaus Diabellis".

Ein Verlassenschaftsakt, aus dem Aufschlüsse über Diabellis Familien- und Vermögensverhältnisse hätten entnommen werden können, war im bezüglichen Archive nicht zu eruieren. Aus dem Totenprotokoll ist nur zu entnehmen, daß er verheiratet war und seine Gattin vor ihm starb. Bei der Regsamkeit Diabellis und seinem Verständnisse für geschäftliche Angelegenheiten, darf angenommen werden, daß er in guten Verhältnissen lebte. Der Erlös für die an Spina verkaufte Musikalienhandlung, welche am Wiener Platze gut eingeführt war, hat ihn wohl nebst früheren Ersparnissen in den Stand gesetzt, sich 6 Jahre vor seinem Tode als Privatmann zurückzuziehen.

Diabellis Kompositionen übersteigen die Zahl von 200. Für Gitarre schrieb er Sonaten, Sonatinen, Serenaden auch in Verbindung mit Streich- und Blasinstrumenten und mit Klavier, weiters Arrangements von Opernmelodien für die Sologitarre und eine große Anzahl Lieder zur Gitarre. Aus der Zeit seiner gitarristischen Lehrtätigkeit stammen eine Gitarreschule und andere didaktische Arbeiten.

Wurzbach verzeichnet ein Porträt Diabellis von Kriehuber, 1841 gedruckt bei Johann Höfelich, Wien, Folio mit faksimilierter Unterschrift; Diabelli sitzt vor einem Tische, in der Hand ein Notenheft mit der Aufschrift: "5. Landmesse (in B) 1841"; auf dem Tische ein zweites: "Musikalischer Jugendführer für Pianoforte".

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[1] Als Taufpate des erstgeborenen Anton fungierte denn auch der Dechant des Kollegiatsstiftes Leopold Wöckl, wirklicher geistlicher Rat von Passau; mit seiner Vertretung war der Kapitelschreiber und Organist Anton Graf betraut.

[2] Laut Mitteilung des hochw. Herrn Pfarrvikars Mathias Ebner, welcher Abschriften der Originaldokumente über Nikolaus und Anton Diabelli zur Verfügung stellte, hat Mattsee zwei Kirchen: Die Stiftskirche zum Heil. Erzengel Michael und die Pfarrkirche zum Heil. Laurentius.

[3] Gräffer schreibt: Raitenhoßbach, von hier wird der Name in mannigfaltiger Schreibweise übernommen.

[4] "The guitar and mandolin, Biographies of Celebrated Players and Composers for these Instruments", London 1913, eine kompilatorische Arbeit, welche die vorhandenen Quellen kritiklos wiedergibt, daher mit der nötigen Vorsicht aufzunehmen ist. Doch ist es die einzige Stelle, die über das Verhältnis Diabellis zu Giuliani bis nun aufzufinden war.

[5] Hierüber konnte in keiner der periodischen Musikschriften unter den zahlreichen Referaten über Giulianis Tätigkeit eine Notiz vorgefunden werden.

[6] Das gegenständliche Geschäftsarchiv befindet sich in Hamburg. (Verlag und Niederlage wurde 1876 an A. Cranz in Hamburg verkauft.)

[7] 57. Bericht der Lesehalle der deutschen Studenten, Prag 1906, Rietsch in B.: Ib.


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