Über Calls Leben ist in den Lexicis wenig zu finden; Anhaltspunkte für die Nachforschung bieten zahlreiche Berichte über die Tätigkeit dieses fruchtbaren, aber recht seichten Salonkomponisten, dessen Werke seinerzeit sehr verbreitet und beliebt waren.
Call bezeichnen die biographischen Nachrichten durchgängig als Süddeutschen und geben sein Geburtsjahr übereinstimmend mit 1779 an. Auf welche Originalquelle diese Angaben zurückgehen, ist nirgends angedeutet. Das Wiener Totenprotokoll vom 19./II. 1815 gibt an, daß C. aus Wien gebürtig war und auf der Wieden Nr. 556 - jetzt Waaggasse Nr. 12 - an der Luftröhrenschwindsucht gestorben sei. Das Geburtsjahr wäre also mit 1768 oder 1769 anzusetzen, die Altersangabe im Totenscheine als verläßlich vorausgesetzt. [1] Die Sperrsrelation vom 23./II. bestätigt die Richtigkeit des Todestages mit 19./II.; über C.s Abkunft und Alter gibt sie keinen Aufschluß. Als Stand ist eingetragen: K. k. geheimer Kammerzahlamts-Liquidations-Adjunkt. Auf einer handschriftlichen Komposition (12 Ländler, Bibl. der Musikfr., Wien) findet sich am Titelblatte die Aufschrift "Hauptmann de Call"; einen österr. Obristen v. Call [2] erwähnt die Leipz. allg. mus. Ztg. Bd. XVI, pag. 488, welcher gelegentlich einer Einquartierung in Zürich als "Bravour-Kunstpfeifer" von sich reden machte.
C.s umfangreiche Serenaden für Gitarre in Verbindung mit Flöte und Streichinstrumenten, auch mit Klavier zählen an 150 und sind größtenteils erhalten; über ihren Wert wurde schon früher geurteilt. Kleinere Stücke, Duette und Terzette, leicht spielbar und sanglich, sind noch heute im Neudrucke gangbar.
[1] Die durch das hochw. Fürsterzbischöfl. Ordinariat erbetene Umfrage bei den Wiener Pfarrämtern zeitigte bis nun kein Ergebnis.
[2] Möglicherweise ist der Bruder Leonhards, der nachmalige Oberstleutnant Karl v. Call gemeint, der in Italien garnisonierte.